Bildung im Wandel
Unter dem Titel "Bildung im Wandel" richtete die Transferagentur Rheinland-Pfalz – Saarland bei der digitalen Jahrestagung am 8. und 9. September 2021 den Blick auf die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels für die Zukunft kommunaler Bildungslandschaften. Zahlreiche Expertinnen und Experten aus der kommunalen Praxis gingen der Frage nach, welche Anforderungen Digitalisierung, Klimawandel und Fachkräftemangel für den Bildungsbereich mit sich bringen und wie dieser Wandel erfolgreich gestaltet werden kann.
Daten als Fundament für Veränderung
Zum Auftakt der Tagung sprach Moderatorin Dr. Franziska Ziegelmeyer mit Natalie Kluth, stellvertretende Leiterin der Transferagentur RLP-SL, und Dr. Dominic Larue vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über den Stand der Entwicklung in den Kommunen sechs Jahre nachdem die Transferagenturen ihre Arbeit aufgenommen haben. In nur wenigen Jahren sei man von der Diskussion darum, inwiefern Kommunen in Bildungsfragen überhaupt – jenseits des Gebäudemanagements – Verantwortung tragen können, dazu gekommen, dass viele Kommunen Bildungsmanagement nicht nur als Aufgabe angenommen haben, sondern die Bildungslandschaften vor Ort aktiv und immer häufiger auch evidenzbasiert gestalten.
So zeige beispielsweise die große Zahl von mehr als 250 veröffentlichten Bildungsberichten, dass Daten zunehmend als Grundlage bildungspolitischer Entscheidungen verwendet würden, und das, so Dr. Larue, sei ein riesiger Erfolg. Für diese wertvolle Arbeit und das nachhaltige Engagement gelte den Kommunen großer Dank, wie Natalie Kluth zum Abschluss der Begrüßung betonte.
Die Dynamik des Wandels nutzen
Die Rolle der Kommunen in gesellschaftlichen wie bildungspolitischen Transformationsprozessen stand auch im Fokus der Keynote von Prof. Dr. Ivo Züchner, Erziehungswissenschaftler an der Philipps-Universität Marburg. Prof. Züchner illustrierte zunächst an einigen Beispielen, wie umfassend und dynamisch die Veränderungsprozesse alle Teile unserer Gesellschaft betreffen. Im Bereich der Wissens- und Informationsgesellschaft sei eine wachsende Bedeutung von non-formalen und informellen Lern- und Bildungsprozessen zu beobachten. Diese würden mit einem zunehmend komplexen Alltag einhergehen, der immer mehr Fähigkeiten und Wissen voraussetze. Dies gelte insbesondere für den Bereich der Digitalisierung und Digitalität, in dem sich die Art und Weise, wie wir Kompetenzen erwerben, stetig wandelt. Zudem ließen sich auch in der Demokratie und Zivilgesellschaft tiefgreifende Veränderungsprozesse beobachten, die politische Bildung als kommunales Bildungsziel, aber auch ein Selbstverständnis des Bildungsmanagements als Teil der demokratischen Kultur wichtiger werden lassen.
"Kommunales Bildungsmanagement kann sicher nicht die einzige Antwort auf gesellschaftliche Transformation sein, bietet aber Potentiale, gesellschaftliche Transformationsprozesse im Sinne einer steuernden Planung zu begleiten, zu managen und gemeinsam mit den Organisationen und Einwohner:innen einer Region zu gestalten", so Prof. Züchner in seinem Fazit. Auch in der anschließenden Diskussion betonten die Teilnehmenden, wie wichtig es für Kommunen sei, eine möglichst breite Basis an Bildungsakteuren durch eine lebendige Netzwerkarbeit in diese Prozesse einzubinden und mit guter Kommunikation nachhaltig zu einer aktiven Beteiligung zu bewegen.
Strukturen fördern und Perspektiven schaffen
Damit Kommunen diese wichtige Rolle in der Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels wahrnehmen können, braucht es konkrete Perspektiven für das kommunale Bildungsmanagement. Dr. Larue stellte den Teilnehmenden hierzu die aktuellen Konzepte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vor und skizzierte die Überlegungen zum geplanten Förderprogramm, das 2022 anlaufen soll. Dieses Programm soll auf die bestehenden DKBM-Strukturen aufbauen und diese mit thematischen Schwerpunkten vertiefen. Wie die bisherigen Strukturförderprogramme, soll auch dieses sich wieder an Landkreise und kreisfreie Städte richten.
Wie die Kommune in der Praxis als gesamtgesellschaftlicher, akteursübergreifender Bildungsort gestaltet werden kann, diskutierten Sabine Süß, Leiterin der Koordinierungsstelle im Netzwerk Stiftungen und Bildung, Dr. Eberhard Niggemann, Mitglied des Aufsichtsrates der Lippe Bildung e.G. und Landrat Patrik Lauer, Landkreis Saarlouis, im Rahmen einer Gesprächsrunde am zweiten Tag der Jahrestagung. Alle Beteiligten unterstrichen dabei die Bedeutung von Kooperationen zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
So ermutigte Landrat Lauer die Teilnehmenden dazu, mit der Wirtschaft zusammen zu arbeiten, denn auch dort gebe es Lernwilligkeit und die Bereitschaft, sich in Verwaltungen hineinzudenken. Dr. Niggemann bekräftigte dies und äußerte Verständnis dafür, dass es sich um „dicke Bretter“ handele, deren Bearbeitung viel Beharrlichkeit erfordere. Aber die Zusammenarbeit lohne sich und sei im Grunde alternativlos. Frau Süß richtete zum Abschluss ihren Appell an die Teilnehmenden, dass Bildung eine echte Gemeinschaftsaufgabe sei: Bildung höre nicht auf, wo die Schultür zugehe – man müsse mehr Wirkung erzielen! Und das gehe letztlich nur gemeinsam.
Impulse für den Wandel
Im Rahmen von vielfältigen Programmformaten wie Vorträgen, Fachforen, Theseninseln und einem digitalen Marktplatz konnten die über 80 Teilnehmenden an beiden Veranstaltungstagen zahlreiche Ideen, Gestaltungsansätze und Thesen kennenlernen und sich mit Kolleginnen und Kollegen vernetzen. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die in den jeweiligen Sessions entstandenen Thesen und Impulse. Wir laden Sie auch dazu ein, sich über die Angebote und Programme des digitalen Marktplatzes zu informieren und den Austausch mit den verschiedenen Akteuren und Netzwerkpartner:innen über die Jahrestagung hinaus fortzuführen – und so die Transformation unserer Gesellschaft und Bildungslandschaften aktiv mitzugestalten.
Fachforen
Die MINT-Vernetzungsstelle, kurz MINTvernetzt, ist das Dach für die MINT-Bildung in Deutschland. Als zentrale Service- und Anlaufstelle sorgt MINTvernetzt für den Austausch unter allen MINT-Akteur:innen, verbreitet Erkenntnisse aus Wissenschaft und Bildungspraxis und setzt Innovationsimpulse, um bessere MINT-Bildungsangebote für breitere und diversere Zielgruppen zu ermöglichen. MINTvernetzt wird als Verbundprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Ansprechpartnerin: Stephanie Kowitz-Harms
Das Netzwerk Stiftungen und Bildung ist mit aktuell 700 Teilhaberinnen und Teilhabern die größte themenbezogene Allianz der Zivilgesellschaft. Es unterstützt die Entwicklung und den Ausbau von Bildungskooperationen durch Vernetzung, Fachaustausch sowie Wissenstransfer.
Die Koordinierungsstelle des Netzwerkes Stiftungen und Bildung in Berlin unterstützt kontinuierlich den Aufbau von lokalen Stiftungsverbünden und Stiftungsnetzwerken Bildung auf Länderebene.
Weitere Informationen zum Netzwerk Stiftungen und Bildung (Flyer u.a.):
Ansprechpartnerin: Sabine Süß
Freischwimmen21 ist eine bundesweite Initiative, die Engagierte aufruft und unterstützt, ihre Aktivitäten für Kindern und Jugendliche (wieder) anzubieten. Ein digitaler Aktions-Finder zeigt die Vielfalt der Aktionen und macht deutlich, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement gerade heute und besonders für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist. Begleitet wird Freischwimmen21 von einem Fonds, der von Engagierten – wie fördernden Stiftungen, Privatleuten und anderen – gefüllt wird.
Ansprechpartnerin: Cordula Beyer
Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 setzt sich die Nikolaus Koch Stiftung für mehr gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit in der Region Trier ein.
Als Förderstiftung unterstützt sie neben der Behindertenhilfe Projekte gemeinnütziger Einrichtungen und Körperschaften des öffentlichen Rechts auf dem Gebiet der Bildungsförderung bei der Berufsbildung, Ausbildung und Fortbildung, Schulen, die Universität Trier sowie die Hochschule Trier.
Ansprechpartnerin: Dana Bonertz
Education Y - Family Programm
Das familY-Programm stärkt Familien am Übergang von der Kita in die Grundschule
Der Bildungserfolg von Kindern hängt in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab (u.a. PISA 2019). Damit Eltern starke Lernbegleiter*innen ihrer Kinder sein können, brauchen sie Unterstützung – insbesondere dann, wenn sie keine, wenig oder schlechte Erfahrungen mit dem deutschen Bildungssystem gemacht haben. Hier setzt das familY-Programm an.
Als Multiplikator*innen-Programm qualifizieren wir pädagogische Fachkräfte im Tandem aus Kita und Grundschule für die Durchführung von Elterntreffen. Mit den Elterntreffen wächst das Zutrauen und die Kompetenz von Eltern als Lernbegleiter*innen ihrer Kinder am Übergang von der Kita in die Grundschule. Die Eltern erhalten praxistaugliche Unterstützung und Lerngelegenheiten für den Alltag.
www.education-y.de/handlungsfelder/familie
Ansprechpartnerin: Dr. Julia Krämer-Deluweit, Leitung und Bildungsreferentin familY‑Programm
Die Servicestelle Kulturelle Bildung RLP mit der angegliederten „Beratungsstelle Kultur macht stark“ ist eine Anlaufstelle für Akteur*innen der Kulturellen Bildung, sowie für interessierte Bildungseinrichtungen in ganz RLP. Ziel der Servicestelle ist es, die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Kunst-/Kulturszene und Bildungsbereich landesweit generell zu mobilisieren, zu fördern und auszubauen sowie gezielt lokale Bündnisse für „Kultur macht stark“ Projekte zu initiieren und zu beraten.
Ansprechpartnerin: Judith Reidenbach
In gemütlich eingerichteten Leseclub-Räumen können Kinder von 6 bis 12 Jahren das Lesen für sich entdecken: Mehrmals pro Woche finden hier freizeitorientierte Gruppenangebote mit verschiedenen Medien statt, die von der Stiftung Lesen zur Verfügung gestellt werden. Dabei wird je nach Lust und Laune der Kinder vorgelesen, gespielt, gebastelt oder experimentiert – in Zeiten von Corona oft auch digital oder mit kreativen Ersatzangeboten. Betreut werden die Leseclubs von Ehrenamtlichen in allen Altersstufen, die hierfür in regelmäßigen Weiterbildungen zu Lesefördermethoden geschult werden. Leseclubs können an allen Standorten eingerichtet werden, die Kinder mit Bildungsbenachteiligung erreichen – gerne stellen wir Ihnen das Förderkonzept heute vor.
Ansprechpartnerin: Yasmin Welkenbach
Mit der MINT-Geschäftsstelle und dem Förderwettbewerb MINT Regionen unterstützen die Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Rheinland-Pfalz den Aufbau von regionalen Netzwerken, die einen Beitrag dazu leisten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die MINT-Themen zu begeistern. Als Kernbereich ihrer Aufgaben zählt die Beratung, Qualifizierung und Vernetzung von MINT-Regionen. Sie ist dabei Anlaufstelle für zukünftige AkteurInnen in MINT-Regionen und Erstkontaktstelle für Interessierte im Bereich MINT-Bildung.
Kontakt:
MINT-Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz
Telefon: +49 651 9494-186
geschaeftsstelleREMOVE-THIS.@.@.@.www.@...@.@(at).@.www.mint.rlp.@@.:.:&""de
Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) unterstützt das INQA-Netzwerkbüro die Netzwerkarbeit der regionalen Fachkräftenetzwerke und der INQA-Partnernetzwerke mit Beratungs-, Weiterbildungs- und Serviceangeboten:
- Unterstützung bei der Gestaltung und Planung von Veranstaltungen
- Beratung zur Weiterentwicklung Ihres Netzwerks
- Workshops zu Techniken und Methoden der Netzwerkarbeit
- Wissenstransfer
- Austausch zwischen Netzwerken
Ansprechpartnerin: Dr. Christine Avenarius
Jugendliche zum Lesen bringen? Das gelingt in den media.labs, wo Kinder und Jugendliche ihre Medienvorlieben frei ausleben und digitale und analoge Medien in Projekten ausprobieren können: Die Stiftung Lesen kann mit unterschiedlichen Partner-Einrichtungen im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ bis zu 100 media.labs gründen, in denen wöchentlich betreute Treffen für Kinder und Jugendliche von 12 bis 18 Jahren stattfinden. Ob man gemeinsam Roboter programmieren, Buchtrailer drehen oder selbst eigene Comics und Mangas gestalten möchte – durch die vielfältige Ausstattung im media.lab ist (fast) alles möglich. Wir zeigen Ihnen Ergebnisse und stellen das Konzept näher vor.
Ansprechpartnerin: Yasmin Welkenbach
Mit dem Programm AUF!leben – Zukunft ist jetzt. unterstützt die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung bundesweit Kinder und Jugendliche dabei, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen und Alltagsstrukturen zurückzugewinnen. Dabei geht es um das Lernen und Erfahren außerhalb des Unterrichts. Dafür wird die DKJS einen Zukunftsfonds aufsetzen, über den Mittel von Partner:innen und lokalen Akteur:innen beantragt werden können.
Fördergrundsätze
FAQ
Aufzeichung der Infoveranstaltung
Ansprechpartner: Alexander Kellersch
Präsentationen
Tagungsprogramm
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Ansprechpartner
Benjamin Koltermann
Teamleitung Kommunikation und Veranstaltungen
Sebastian Müller
Kommunale Beratung