Von der Fach- zur Bildungsplanung - Integriert. Kommunal. Vernetzt.
Rückblick
Über 100 Teilnehmende aus kommunalen Planungsstellen, Bildungsmanagement und Ministerien kamen am 16. Juni 2021 bei der digitalen Thementagung "Von der Fach- zur Bildungsplanung - Integriert. Kommunal. Vernetzt." zusammen, die von der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Rheinland-Pfalz – Saarland in Kooperation mit dem Bildungsministerium und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz organisiert wurde. Die Teilnehmenden diskutierten, wie Bildungsangebote für die Bürgerinnen und Bürger durch eine bessere Vernetzung der kommunalen Planungsstellen verbessert werden können.
Das Problem mangelnder Abstimmung machte Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz in seinem Grußwort deutlich. Schulentwicklungsplanung brauche eine lange Vorlaufzeit, da schulische Infrastrukturen nicht in kurzer Zeit angepasst werden könnten, so Linnertz. "Entwicklungen in anderen Fachbereichen werden oft zu spät einbezogen. Wenn beispielsweise ein neues Baugebiet ausgewiesen wird, muss das auch in der Schulentwicklungsplanung berücksichtigt werden, damit genügend Plätze in den Schulen vorhanden sind", erläuterte Linnertz.
Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer
Professor Dr. Jörg Fischer von der Fachhochschule Erfurt beschrieb in seiner Keynote die integrierte Planung als beste Antwort auf die Komplexität regionaler Lebenslagen und Bildungslandschaften. "Mit einer Einzelkämpfermentalität werden individuelle Fachplanungen in der heutigen, vernetzten, hochkomplexen Zeit nicht weiterkommen. Stattdessen gilt es, die meist ohnehin schon knappen Ressourcen nicht zu verschwenden, sondern zu bündeln und gemeinsam schlagkräftig und effizient vorzugehen."
Die digitale Tagung sei ein erster, erfolgreicher Schritt zu einem Aufbruch zu einer integrierten Planung, so Dr. Katja Wolf, Leiterin der Transferagentur RLP-SL. "Durch die Kooperation mit dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium und der ADD ist es uns gelungen, verschiedene Ebenen an den virtuellen Tisch zu bringen: Land und Kommune, Praktiker:innen und Planer:innen. Dadurch ergeben sich spannende Synergien für die künftige Zusammenarbeit aller Akteure, denen an zukunftsfähigen Bildungslandschaften und gelingenden Bildungsverläufen gelegen ist."
Kurze Wege, langfristige Wirkung
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion, an der neben Herrn Linnertz und Prof. Fischer auch Landrätin Dorothea Schäfer aus dem Landkreis Mainz-Bingen und Monika Braun, Dezernentin für Bildung und Immobilienmanagement aus dem Landkreis Saarlouis, teilnahmen, erhielten die Teilnehmenden Einblicke zu den zentralen Aufgaben von Politik und Verwaltung. Im Fokus standen aber auch positive Beispiele aus der kommunalen Praxis, wie etwa aus dem Landkreis Saarlouis, wo die Fachbereiche Bildung und Immobilienmanagement in einem Dezernat zusammengefasst sind und kurze Wege eine schnelle und verlässliche Zusammenarbeit ermöglichen. Dass das Anstoßen von politischen Veränderungen und strukturellen Reformen vor allem auch durch ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement unterstützt wird, hat auch Landrätin Schäfer betont. Im Landkreis Mainz-Bingen war die Analyse von Schülerdaten auf Grundlage eines Bildungsmonitorings der Auftakt zu einer übergreifenden Schulentwicklungsplanung, die über das reine Gebäudemanagement hinausgeht und sich an individuellen Lösungen für Kinder und Eltern orientiert.
Impulse für die Praxis
Die Impulse aus dem Vormittagsprogramm wurden von den Teilnehmenden in der interaktiven Mittagspause über das Vernetzungstool wonder.me aufgegriffen und gemeinsam mit Herrn Linnertz, Herrn Klussmann und dem Team der Transferagentur diskutiert. Im Anschluss ging es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sieben parallel stattfindenden Fachforen weiter, die von der sozialraumorientierten Planung über Schulentwicklungsplanung bis hin zu kooperativen Planungsmodellen eine breite Palette an praxisnahen Themen abdeckten.
So präsentierte Carsten Dohms, Bildungsmonitorer aus Koblenz, im Forum 1 mit der Umsetzung des Sozialraumbudgets und der Konzeption des Berechnungsmodells zur bedarfsgerechten Verteilung ein Beispiel für eine erfolgreiche ämterübergreifende Zusammenarbeit.
WEITERLESEN: Praxistipp und Transferbeispiel - Mit Daten zum Kita-Sozialraumbudget
Ergänzt wurde das Praxisbeispiel durch die wissenschaftliche Perspektive von Dr. Marina Swat und Dr. Andy Schieler, IBEB, Hochschule Koblenz, die eine Methode vorstellten, mit der sich Daten interpretieren und Hypothesen über konkrete Bedarfe formulieren lassen.
Kooperation und Partizipation
Im Forum 3 betonte Jan Christmann, Fachbereichsleiter des Fachbereichs "Schulverwaltung/Schülerbeförderung/ÖPNV" im Landkreis Mainz-Bingen, im Rahmen seines Praxisimpulses den Aspekt der landkreisübergreifenden kooperativen Planung. Aufgrund der häufig historisch gewachsenen Bildungslandschaft, deren Eigenheiten nur Insider kennen, sei ein Austausch der Akteure umso wichtiger. Eine enge Zusammenarbeit baue Doppelstrukturen ab, entfalte eine bessere Steuerungswirkung und spare Zeit und Geld, etwa im Rahmen einer gemeinsamen Bereitstellung von Daten durch das Bildungsmonitoring.
Wie wichtig Beteiligungsprozesse für eine gelingende Bildungsplanung sein können, schilderte Schulentwicklungsplanerin und Bildungsmanagerin Natalie Sadik bei ihrem Vortrag im Fachforum 5. Im Landkreis Saarlouis habe man erkannt, wie wichtig es sei, äußere und innere Schulangelegenheiten miteinander zu verknüpfen und weitere Akteure und Kooperationspartner im Sinne einer systemischen Integration in die Planung miteinzubinden. Dazu gehört auch die unmittelbare Partizipation der Zielgruppe, also beispielweise von Schüler:innen, im Rahmen der Planungsphase von Maßnahmen wie dem Bau von Mensen oder der Schulhofgestaltung. Die durch demokratische Mehrheitsprozesse formulierten Grundbedürfnisse werden für die Schulentwicklungsplanung berücksichtigt, was, so die Erfahrung im Landkreis Saarlouis, letztlich für eine enorme Steigerung der Akzeptanz von Baumaßnahmen sowie für positive Effekte für das soziale Lernen sorge.
Die ebenso kurzweilige wie informative Mischung aus praxisnahen Beiträgen und einem niedrigschwelligen Austausch zwischen Teilnehmenden und Referent:innen zog sich auch durch die übrigen Fachforen wie ein roter Faden. In den Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat sich eine breite Basis für eine bessere Kooperation zwischen den Fachplanungen gezeigt - die es letztlich auch braucht, um die Bildungsangebote für Menschen jeden Alters nachhaltig verbessern zu können.
Tagungsprogramm
Prof. Dr. Jörg Fischer
Leiter des Instituts für kommunale Planung und Entwicklung, Fachhochschule Erfurt
Carsten Dohms
Bildungsmonitorer, Stadt Koblenz
Dr. Marina Swat
Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit, Hochschule Koblenz
Dr. Andy Schieler
Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit, Hochschule Koblenz
Alexander Klussmann
Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz
Jan Christmann
Fachbereichsleiter des Fachbereichs „Schulverwaltung/Schülerbeförderung/ÖPNV", Landkreis Mainz-Bingen
Stefan Caspari
Schulleiter, Ganztagsgymnasium Theresianum Mainz
Stephan Kurz-Gieseler
Stellv. Schulleiter, Ganztagsgymnasium Theresianum Mainz
Natalie Sadik
Schulentwicklungsplanerin und Bildungsmanagerin, Landkreis Saarlouis
Nicole Brinkmann
Bildungsmanagerin, Lahn-Dill-Kreis
Eva Schleifer
Jugendhilfeplanerin, Lahn-Dill-Kreis
Heike Fleischmann
Abteilungsleiterin Bildungsplanung & Schulentwicklung, Stadt Mannheim
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Pressemitteilung
Anke Witzel
Kommunale Beratung