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Thementagung 2025: Wo Bildung Raum bekommt – Gemeinsam Räume im Ganztag neu denken

Der Wandel hat begonnen

Wie gestalten wir Schulräume, in denen Kinder, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte gemeinsam lernen und sich wohlfühlen können und gleichzeitig eine zeitgemäße Pädagogik möglich wird? Über 100 Teilnehmende sind dieser Frage am 18.11.2025 bei unserer Tagung „Wo Bildung Raum bekommt – Gemeinsam Räume im Ganztag neu denken“ in Kaiserslautern nachgegangen. 

Die beiden Bildungsstaatssekretärinnen Bettina Brück und Jessica Heide diskutierten im Eröffnungsgespräch über die Transformation von Schulen und Lernräumen. Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz, machte deutlich, dass der Wandel im Schulbau in Rheinland-Pfalz bereits begonnen hat. „Mit der neuen Schulbaurichtlinie setzen wir pädagogische Konzepte an erste Stelle und fördern den Schulbau auf der Basis von Flächen statt Räumen. Das schafft die notwendige Flexibilität für die Umsetzung innovativer Lernkonzepte“, so Brück. Viele Schulen in Rheinland-Pfalz haben sich bereits auf den Weg gemacht, neue Lernformen in neuen, offenen Lernräumen zu erproben, zum Beispiel in unserer Landesinitiative ,Schule der Zukunft'.“

Jessica Heide, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes setzt ebenfalls auf zukunftsfähige Lernlandschaften. „Nur dort, wo sich Schülerinnen und Schüler wirklich wohlfühlen, können sie wachsen und ihre Stärken entfalten. Dafür brauchen wir moderne Räumlichkeiten, die nicht nur funktional sind, sondern neue Formen des Lernens ermöglichen: Diese Entwicklung gelingt nur gemeinsam. Pädagogisches Personal, Schulträger, Planungsteams und Politik müssen Verantwortung teilen und zusammenarbeiten, damit aus unseren Schulen Orte werden, die Bildung stärken, Gemeinschaft leben lassen und Zukunft eröffnen“, so Heide.

Das haben wir noch nie gemacht, das kann nur gut gehen

KEYNOTE

Dr. Meike Kricke betonte in ihrer Keynote, dass Ganztag nur gelingt, wenn Pädagogik und Raum gemeinsam gedacht werden. Vor dem Hintergrund steigender Platzbedarfe durch den Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung sowie begrenzter, vorhandener Flächen zeigte sie Wege auf, wie Raumqualität im Bestand entwickelt werden kann – ohne große Umbauten. Im Projekt Ganztag und Raum der Montag Stiftung entstanden integrierte Nutzungskonzepte, die Räume ganztägig und gemeinsam für alle Beteiligten nutzbar machen. Durch Beteiligung von Kindern, Lehrkräften, Verwaltung und Architektur wurden kreative Lösungen gefunden, auch unter Berücksichtigung von Brandschutz und Sozialraum. Ihre zentrale Botschaft: Neues entsteht, wenn alle mutig ungewohnte Wege gehen – auch in der Raumfrage.

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Kinder müssen sich wohlfühlen können

IMPULSHOPPING

In drei kurzen Bildervorträgen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene Aspekte der Schulraumgestaltung.

Die per Videoaufzeichnung zugeschaltete Svenja Ksoll von der German Toilet Organization machte deutlich, wie wichtig Toiletten für das Wohlbefinden der Kinder sind. Denn viele Kinder gingen in der Schule nicht auf die Toilette oder essen weniger, damit sie nicht auf die Toilette müssten. So hätten Toiletten auch Einfluss auf das Lernen! Gut ausgestattete und saubere Toiletten wiederum motivierten die Kinder, die Toiletten gut zu behandeln.

Timo Schlosser, Berater für Pädagogischen Schulbau am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz zeigte auf, wie eine moderne und flexible Schulmöblierung verschiedene Nutzungsmöglichkeiten und pädagogische Settings wie Gruppenarbeit, Vortragssituationen, Rückzugsmöglichkeiten und Einzelarbeit, Bewegung und Austausch ermöglicht.

Katalin Farkas vom Verein alleinerziehender Mütter und Väter e. V. stellte Forschungsergebnisse zu den Kinderperspektiven auf Kita, Ganztag und Grundschule vor. In Form von Malinterviews stellten Kinder ihren perfekten Ganztag dar. Durch die fachliche Einordnung der gemalten Bilder ergaben sich wichtige Hinweise für die kindgerechte Gestaltung von Schulräumen.

In den Pausen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit flexible Schulmöbel in einer vom Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz gesponserten Ausstellung selbst auszuprobieren. Die Ausstellung zeigte Multifunktionsmöbel und modulare Sitzelemente, die Bewegung, Flexibilität und variierende Konfigurationen in den Unterricht bringen.

Schulbau ist Schulentwicklung im Schleudergang

FACHFORUM 1

Nach der Mittagspause, die zu Austausch und Vernetzung genutzt wurde, widmeten sich die Teilnehmenden in fünf Workshops verschiedenen Aspekten der Gestaltung von Schulräumen und der Nutzung des Sozialraums für den Ganztag.

Im Fachforum 1 machte Sven Oliver Schneider, Referatsleiter Schulbau im Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz deutlich, dass die zunehmende Ausdehnung von Schule in den Nachmittagsbereich ein gemeinsames, ganzheitliches Denken aller Beteiligten notwendig mache. Die rheinland-pfälzische Schulbaurichtlinie biete gemeinsam mit dem Kompendium allen Beteiligten Orientierung. Unterstützung erhalten die rheinland-pfälzischen Schulen dabei vom Pädagogischen Landesinstitut. Ziel der pädagogischen Beratung sei es, gemeinsam mit allen Beteiligten den konkreten Bedarf der jeweiligen Schule zu ermitteln, so Timo Schlosser, Berater für Pädagogischen Schulbau am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Allein im Jahr 2024 wurden über 200 Schulen beraten. Die Nachfrage sei enorm. Ein pädagogisches Konzept bilde die unverzichtbare Grundlage für jedes Schulbauprojekt. 

Sven Normann, Fachbereichsleiter Jugend, Familie, Bildung in der Verbandsgemeinde Weißenthurm, zeigte am Beispiel einer Schule, welche Rolle die Verbandsgemeinde bei der Entwicklung eines Konzeptes zur Gestaltung der Schulräume einnehmen kann. Der Schulträger habe dabei die Rolle des Motors und Motivators des gesamten Entwicklungsprozesses übernommen. Im Zuge dieser Entwicklung habe man erstmals ein umfassendes Schulentwicklungskonzept für insgesamt neun Grundschulen entwickelt.

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Wer Räume teilt, hat mehr vom Platz

FACHFORUM 2

Marija Kajic und Patrick Hees, beide Fachbereich Pädagogische Schulentwicklung des Stadtschulamtes Frankfurt a. M. berichteten im Fachforum 2, wie das Baukastensystem RAUMBOX den Beteiligten hilft, Verständnis zu bilden und gemeinsam Lösungen für eine integrierte Raumnutzung zu befördern. In vier Kleingruppen konnten die Teilnehmenden anhand konkreter Fragestellungen erleben, wie das Tool anzuwenden ist. Sie diskutierten an Grundrissen verschiedener Schulen, schoben farbige Magnettäfelchen mit den Begriffen „Lernen“ oder „Mehrzweckraum“ über die abgebildeten Räume.

Der konsequente Einsatz der Raumbox hat an den Frankfurter Grundschulen zur strukturellen Entwicklung eines integrierten Ganztags und einem Denken in gemeinsamen und multifunktionellen Nutzungen von Flächen und Räumen geführt.

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Von der „Hardware“ zur „Software“ eines Raumes

FACHFORUM 3

Im Fachforum 3 zum Thema „Bedürfnisorientierte Architektur im Schulbau“ machte Ulrike Moutty (freiberufliche Referentin für Raumgestaltung für freiwillige und gebundene Ganztagsschulen, Bildungscampus Saarland) deutlich, wie entscheidend die Übersetzung zwischen Pädagogik und Architektur ist, wenn Schulen baulich weiterentwickelt werden. Externe Prozessbegleitung könne dabei helfen – mit frischem Blick, aber auch mit der Aufgabe, die jeweilige Schule erst wirklich zu verstehen. Moutty plädierte dafür, Räume nicht nur als „Hardware“ (Türen, Fluchtwege, Möblierung) zu betrachten, sondern ebenso ihre „Software“ im Sinne von Wohlgefühl, Orientierung, Geborgenheit und emotionale Sicherheit mitzudenken. In der Gruppenarbeit wurden typische Grundrisse analysiert und gezielt Ruhe-, Bewegungs- und Durchgangszonen definiert. Zentrale Erkenntnis: Gute Entscheidungen entstehen selten ad hoc. Für Gespräche mit Planung, Schulamt und Schulträger brauche es Zeit, um eigene Bedarfe zu klären und tragfähig zu formulieren.

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Stabile Strukturen für flexible Räume

FACHFORUM 4

Lisa Hoffmann-Kuhnen (Landkreis Neunkirchen) und Anette Becker (Bildungscampus Saarland) zeigten im Fachforum 4, dass eine erfolgreiche Bildungskoordination im Ganztag stabile Strukturen braucht. Ob Akteur:innen vernetzen, Zusammenarbeit über Zuständigkeiten hinweg strukturieren, Bedarfe analysieren und Vorhaben von der Idee bis zur Umsetzung begleiten: Am Beispiel des Bildungsbüros wurde deutlich, dass kommunale Bildungskoordination vor allem als Netzwerkzentrum wirkt. Ergänzt durch die Unterstützungsangebote des Bildungscampus Saarland, von Konzeptberatung über Teamfortbildungen bis zur Steuerungsgruppenbegleitung, können spannende Ideen und Maßnahmen zur Entwicklung neuer Raumkonzepte und kindgerechter Wohlfühlräume entstehen.

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Kooperation im Sozialraum mehr als ein „Add-on“

FACHFORUM 5

Im Fachforum 5 „Ganztag im SozialRaum“ luden Anne Gebauer und Nele Groth (FaBERID/DKJS) gemeinsam mit Katharina Moeske (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz) dazu ein, Ganztag konsequent vom Leben der Kinder her zu denken und Schule stärker in den Sozialraum zu öffnen. Ziel war es, konzeptionelle Überlegungen für Kooperationen zu schärfen und eine gemeinsame Raumnutzung als wichtigen Baustein zu erproben. 

In einer Gedankenreise wechselten die Teilnehmenden bewusst die Perspektive: vom Erleben als „10-Jährige“ (Was tut mir gut? Wo lerne ich gern?) zur planerischen Verantwortung von Erwachsenen, die Rahmen schaffen müssen, damit Angebote außerhalb des Schulgebäudes tatsächlich gelingen. Deutlich wurde dabei, dass Kooperation im Sozialraum kein „Add-on“, sondern elementarer Teil professionellen Handelns ist. Sie braucht Augenhöhe, klare Rollen und Strukturen, die Zusammenarbeit verlässlich machen.

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Von gelebter Praxis zu nachhaltigen Strukturen

Die Tagung hat gezeigt: Es bewegt sich etwas! Was vor wenigen Jahren noch Neuland war – etwa Phase-0-Prozesse und die Beteiligung aller Akteur:innen – ist vielerorts bereits gelebte Praxis. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Wer übernimmt die Prozessunterstützung? Wer koordiniert und institutionalisiert Austausch, interdisziplinäre Dialoge und neue Arbeitsweisen dauerhaft und verlässlich? Hier kann das Förderprogramm „Ganztag in Bildungskommunen – Kommunale Koordination für Ganztagsbildung“ wertvolle Unterstützung bieten. Auch das kommunale Bildungsmanagement könne bei der Organisation und Koordination eines solchen Prozesses eine wichtige Rolle spielen, betonte Dr. Katja Wolf (Leiterin REAB RLP-SL). „Letztlich braucht es Mut, Offenheit und Struktur, um Lernräume wirklich neu und nachhaltig zu denken. Aber vor allem braucht es: Kooperation!“

© Piotr Banczerowski / Regionalagentur RLP-SL

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